Hochwasserschutz- und Ökologieprojekt (HÖP) Rastatt

Die Murg ist begradigt, beiderseits schützen Deiche die Anwohner vor Hochwasser. Das Wasser fließt dadurch auch bei Hochwasser sehr schnell ab, was zu erhöhter Hochwassergefahr führen kann – irgendwo muss das Wasser ja hin. Die Natur außerhalb der Deiche, die früher regelmäßig überschwemmten Auwälder, sind jetzt immer trocken und verändern sich. Dadurch gingen die auwaldtypischen Arten und Lebensräume nach und nach verloren.

Eine erprobte Möglichkeit zur Verminderung der Hochwassergefahr und gleichzeitig zur Wiederherstellung von Auen ist die Rückverlegung von Hochwasserschutzdeichen. Nördlich von Rastatt, im Gewann Brufert, wurde der Deich auf der linken Seite der Murg um bis zu 500 m und auf der rechten Seite um 100 m zurückverlegt. Dadurch wurde eine Fläche von rund 50 ha gewonnen, in der das Hochwasser sich zukünftig ausbreiten kann. Auch an der Murg im Aufweitungsbereich wurden Änderungen vorgenommen. Ein verzweigter Gewässerlauf mit Uferabflachungen wurde angelegt.

Aufweitungsbereich im Gewann Bittler bei Hochwasser am 24.7.2014 (Foto © R. Deible).

Auch in der Stadtstrecke wurde die Murg naturnah umgestaltet. Die Mittelwasserbettsicherung der Murg ist in Richtung Deichfuß rückverlegt. Stummelbuhnen wurden angelegt, um die eigendynamische Gewässerentwicklung zu fördern. Insgesamt wurden 7 Inseln geschaffen. Seit der Umgestaltung sind vier etwa zweijährliche Hochwasser über die umgestaltete Stadtstrecke abgeflossen. Durch die Hochwasserereignisse wurde Substrat umgelagert und sortiert. Es haben sich Kolke und Flachuferbereiche gebildet. An vielen Stellen sind großflächigen Kiesstrände entstanden, an wenigen sogar Sandstrände.

Was wird dadurch erreicht?
Die Maßnahme verbessert den Hochwasserschutz für die Stadt Rastatt. Im Bereich der Deichrückverlegung wird der Wasserspiegel bei einem hundertjährlichen Hochwasser um 55 cm und an der Franzbrücke noch um 30 cm abgesenkt. Gleichzeitig können sich naturnahe Wasser- und Ufervegetation und vor allem Auwälder neu entwickeln. In den Kleingewässern der Aue profitieren Gelbbauchunke und Kammmolch von der Wiedervernässung. Durch die Wiederherstellung der Fließdynamik an der Murg entstehen neue Lebensräume für Jungfische von Steinbeißern, Groppen, Neunaugen und Maifischen. In den Flachuferbereiche können Wasservögel Nahrung suchen und rasten.

Öffentlichkeitsarbeit

  • Informationen des Landesbetriebs Gewässer zu HÖP mit Planungskarten
  • Pressemitteilung der Stadt Rastatt zum Beginn der Rodungsarbeiten für HÖP vom 3.2.2012
  • Votrag im Landratsamt Rastatt zu HÖP am 5.11.2012